Museum-Digital :: Handbuch

Struktur der Daten

Objekt als Ausgangspunkt

Ausgangspunkt der Datenstruktur von museum-digital ist das (Museums-) Objekt. Was dabei als ein einzelnes Objekt betrachtet wird, das bleibt dem jeweiligen Museum überlassen. Die Erschließungstraditionen sind durchaus unterschiedlich: Manche Museen erfassen Bild und Rahmen getrennt, andere Museen sehen darin eine Einheit.

Der Grundeinheit "Objekt" können nun verschiedene Dinge zugeordnet werden. Eine einzige Zuordnung ist dabei Pflicht: Jedes Objekt muss einem Museum zugeordnet werden. Wer Objekte öffentlich sichtbar machen möchte, der muss überdies dem Objekt (mindestens) eine Ressource zuordnen. Weitere Zuordnungen sind natürlich sinnvoll, werden aber vom System nicht unbedingt verlangt.

Ausgangspunkt für die Gestaltung der Datenstruktur bei museum-digital ist die an das CIDOC CRM angelehnte Struktur des Datenaustauschformates LIDO. Ein wesentliches Element von LIDO ist der Umgang mit (objektbezogenen) Ereignissen. Solche Ereignisse können die Herstellung, die Nutzung, ... des Objektes sein.

Ereignisse

Jedes (objektbezogene) Ereignis hält etwas fest, das mit dem Objekt geschah. Ereignisse werden aus mehreren Elementen gebildet, die Antworten auf die Fragen WAS-WER-WO-WANN geben. Zwingend ist dabei immer eine Angabe des "WAS", der Ereignistyp. "Herstellung" ist ein solcher Ereignistyp. Wenn jetzt einem Objekt ein Ereignis vom Typ "hergestellt" zugeordnet wird, dann wird zwar ausgesagt, dass dieses Objekt hergestellt wurde - aber das ist in den meisten Fällen ohnehin klar und muss nicht erfasst werden. Mindestens eine weitere Angabe von "WER" oder von "WO" oder von "WANN" ist nötig. Ein Ereignis verknüpft letztlich einen Akteur, einen Ort oder eine Zeit mit einem Objekt und es hält fest, worin diese Verknüpfung besteht. Eine "Kaffeekanne" (=Objekt) kann "hergestellt" (=Ereignistyp) worden sein von der "Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin (KPM)" (=Ereignis-Akteur). Dieses Geschehen (die "Herstellung") kann in "Berlin" (=Ereignis-Ort) oder an einem anderen Produktionsort der Manufaktur stattgefunden haben (die KPM produzierte in der Nachkriegszeit in Selb) und das Geschehen wird zu einer bestimmten Zeit stattgefunden haben, beispielsweise "1803" (=Ereignis-Zeit).

 Jedes Objekt lässt sich mit beliebig vielen Ereignissen verknüpfen. Wenn beispielsweise bekannt ist, dass jemand Bestimmter (=Ereignis-Akteur) das Objekt "genutzt" (=Ereignistyp) hat und jemand Anderer (=Ereignis-Akteur) dieses Objekt zu einem späteren Zeitpunkt (=Ereignis-Zeit) ebenfalls "genutzt" (=Ereignistyp) hat, so werden einfach zwei Nutzungsereignisse erfasst und jeweils dem Objekt verknüpft. Ein vollständiges Ereignis ist also ein bestimmtes Geschehen, das von einem bestimmten Akteur an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit vorgenommen wurde. Wenn, was bei Büchern häufiger der Fall ist, ein zweiter Ort ins Spiel kommt, weil das Objekt (Buch) beispielsweise an zwei Orten "veröffentlicht" wurde, dann bildet dies ein separates Ereignis - das Objekt steht damit sowohl mit dem einen als auch dem anderen Ort in einer Beziehung.

Die Aufspaltung in Ereignisse und ihre Elemente hat zur Folge, dass es bei museum-digital keine einfache "Datierung" eines Objektes gibt, vielmehr gibt es beliebig viele "Datierungen" von Ereignissen, die einem Objekt zugeordnet werden. Es kann sowohl die "Vorlagenerstellung", die "Herstellung" oder die "Nutzung" datiert werden. Auf diese Weise werden die Informationen zum Objekt wesentlich gründlicher erfasst als in einem einfachen - zumeist nicht näher definierten - Feld "Datierung", wie es noch in vielen Datenbanken alter Art zu finden ist.

Ereignistyp

Damit die Datenbank sinnvolle Antworten auf Anfragen wie "Alle Objekte, die in Berlin hergestellt wurden" oder "Alle Objekte, die 1832 in Berlin hergestellt wurden", ... geben kann, ist es nötig, den "Ereignistyp" zu kontrollieren. Im Augenblick gibt es 30 verschiedene "Ereignistypen" bei museum-digital. Eine Liste findet sich hier.

Akteure

Akteure sind die Hersteller, Nutzer, Verfasser, ... von Objekten. Es sind Personen oder Körperschaften, die in einer (durch ein Ereignis beschriebenen) Beziehung zu einem Objekt stehen. Der Akteur wird bei museum-digital als separate Einheit erfasst (d.h. unabhängig von Objekten oder Beziehungen). Der gleiche Akteur kann über viele Ereignisse zu vielen Objekten in Beziehung gesetzt werden. Mehr über den Umgang mit Akteuren findet sich hier.

Orte

Wie Akteure, so werden auch Orte bei museum-digital separat erfasst. Ein und derselbe Ort kann zu vielen Objekten in Beziehung stehen. Als Ort wird dabei nicht eine Ortschaft verstanden, sondern ein Platz im Raum: Es ist sowohl möglich Regionen zu benennen ("Westerwald") als auch - sofern bekannt - "hausnummergenau" (Beispiel: "Berlin-Charlottenburg, Weygelystraße 1") zu erfassen. Mehr über den Umgang mit Orten findet sich hier.

Zeiten

Auch Zeiten werden separat erfasst. Verbale Zeitangaben sind oft trügerisch. Begriffe wie "Nachkriegszeit" sagen nicht, auf welchen Krieg diese Zeit folgte, "Barock" wird oft als Zeit gedacht bezeichnet jedoch einen Stil, der in verschienen Regionen zu verschiedenen Zeiten ausgeprägt war, selbst "Jungsteinzeit" oder "Tertiär" sind keine eindeutigen Begriffe weil die Fachwissenschaftler häufiger deren Anfang oder Ende neu definieren und sich ohnedies nicht einig sind. Es mussten deshalb Regeln für den Umgang mit Zeitangaben bei museum-digital eingeführt werden. Die Regeln finden sich hier.

Bezüge

Bisweilen steht ein Objekt in einer nicht näher zu bestimmenden Beziehung zu einem Akteur, einem Ort oder einer Zeit: Sei es, dass das Objekt - wie kaum ein anderes - einen Ort versinnbildlicht (wie beispielsweise der "Berliner Bär") oder in seinem Design den Zeitgeist und Geschmack der "1950er Jahren" in prägnanter Weise spiegelt ... In solchen Fällen können zwischen Akteuren, Orten, Zeiten einerseits und Objekten andererseits direkte, d.h. allgemeine, nicht näher bestimmte, Bezüge gespeichert werden. Was gerade über Akteure, Orte und Zeiten gesagt wurde, gilt auch in diesem Fall.

Museum und Sammlung(en)

Jedes Objekt kann - muss aber nicht - zu einer oder mehreren Sammlungen gehören. In den meisten Fällen wird ein Objekt genau einer Sammlung zugeordnet, aber das Datenmodell von museum-digital ist flexibel - es gibt Museen, die traditionell ihre Objekte mehreren Sammlungen zuordnen und es gibt Museen, die ganz auf Sammlungszuordnungen verzichten. Jede Sammlung wiederrum kann weitere Sammlungen umfassen oder Teil einer übergeordneten Sammlung ein. So kann etwa eine Sammlung "Gemälde" die Teil-Sammlungen "Niederländische Malerei", "Flämische Malerei", ... enthalten. Ein zu einer Teilsammlung gehörendes Objekt kann - muss aber nicht - der übergeordneten Sammlung ebenfalls zugewiesen werden.  Jede Sammlung muss, wie schon die Objekte, einer Institution zugeordnet werden.

Abbildungen etc.

Jedem Objekt können beliebig viele Ressourcen zugeordnet werden. Ressourcen können Abbildungen, Videoaufzeichnungen, Tonaufzeichnungen oder Texte (in PDF-Format) sein. Jede Ressource muss zwingend mit rechtlichen Angaben (Rechteinhaber, Rechtestatus) versehen sein. Den Ressourcen können weitere Informationen über die Ressource selbst zugeordnet werden. Die maximale Größe der einzelnen Ressourcen wurde im Lauf der Zeit erhöht. Abbildungen, Tonaufzeichnungen und Textdokumente können bis zu 10 MB pro Ressource umfassen, Videoaufzeichnungen bis zu 40 Megabyte. Die Ressourcen werden beim Heraufladen umbenannt (um Namensgleichheiten zu vermeiden) und in verschiedenen Größen gespeichert.  Bei Abbildungen werden zudem die zum Zeitpunkt des Heraufladens erfassten Objektinformationen automatisch als IPTC-Daten in die Bilddateien selbst hineingeschrieben - wenn man so will: Ein unsichtbares Wasserzeichen.

Sind die Ressourcen im Internet abrufbar so müssen sie nicht zu museum-digital heraufgeladen werden. In diesem Fall kann stattdessen die Internet-Adresse der Ressource gespeichert werden. Voransichten in verschiedenen Größen werden bei der Zuordnung automatisch generiert. Für Rechteangaben zu den Ressourcen und für Zusatzinformationen zu denselben gilt das gleiche wie beim Heraufladen. Wenn Ressourcen verlinkt statt heraufgeladen werden, so werden - selbstverständlich - keine IPTC-Daten in Bilddateien geschrieben.

Literatur

Jedem Objekt können beliebig viele gedruckte Quellen zugeodnet werden. Die gleiche Quelle kann weiteren Objekten zugeordnet werden ohne sie erneut zu erfassen. Die Literaturangaben werden nicht zentral gespeichert - die Art Literatur zu erfassen ist in den einzelnen Museen recht unterschiedlich. Museum-digital orientiert sich an bibliographischen Vorgaben, d.h. Autor, Jahr, Titel, Erscheinungsort werden getrennt erfasst und sind für einen Literatureintrag Pflicht. Hinzu kommt die Möglichkeit die Identifikationsnummer der Quelle in der Nationalbibliothek, die ISBN (so vorhanden), den Pfad zu einer digitalen Kopie und museumsspezifische Kürzel zu erfassen. Es besteht auch die Möglichkeit einen Link zu einer Abfrage im Karlsruher Virtuellen Katalog zu speichern. Ein solcher Link erlaubt den Nutzern bei der öffentlichen Ausspielung leicht zu erfahren, in welcher Bibliothek die entsprechende Quelle vorhanden ist. Es ist möglich sämtliche Literatur des Museums selbst mit museum-digital zu verwalten.

Wird eine Zuordnung zwischen einem Objekt und einer Quelle getroffen, so kann das allgemein geschehen (etwa: "In diesem Buch ist das Objekt thematisiert"), die Zuordnung kann aber auch genauer gefasst werden (etwa: "In diesem Buch wird das Objekt auf Seite 45 thematisiert").

Web und Dokumente

Beliebig viele Internetquellen können einem Objekt zugeordnet werden. Festgehalten wird dabei jeweils ein Anzeigetext (den die Nutzer lesen und dann anklicken) und die Internetadresse der Online-Quelle. Wie auch gedruckte Quellen werden die Internetquellen für jedes Museum einzeln erfasst. Eine einmal erfasste Online-Quelle ist mit beliebig vielen Objekten - ohne sie erneut zu erfassen - verknüpfbar. Auf gleiche Weise können Dokumente (PDF, maximal 4 MB) heraufgeladen und mit beliebig vielen Objekten verknüpft werden.

Einzelverweise

Zu jedem Objekt lassen sich Einzelverweise (wechselseitig) zu einem anderen Objekt bei museum-digital speichern. Ein Objekt wird dabei einem zweiten zugeordnet ohne dass daraus eine Gruppe gebildet wird. Wenn man die Zuordnung von Objekt A zu Objekt B speichert fragt die Software nach, ob auch von Objekt B zu Objekt A verwiesen werden soll. In jedem Fall wird neben der Zuordnung (A > B und möglicherweise B < A) ein kurzer Text gespeichert, der öffentlich angezeigt wird und den Nutzern die Zuordnung als anklickbaren Link anbietet. Das können z.B. Hinweise sein wie "Ein fast identisches Objekt" oder "Ein mittels dieses Pinsels erstelltes Gemälde" ... wobei unter dem Gemälde ein Link mit dem Text "Der Pinsel, mit welchem dieses Gemälde gemalt wurde" erscheinen könnte.

Objektgruppen

Ein Objekt kann auch einer beliebigen Objektgruppe zugeordnet werden. Objektgruppen selbst müssen immer einem Museum zugeordnet werden und können beliebig viele Objekte des Museums (aber nicht anderer Museen) aus beliebigen Sammlungen des Museums umfassen. Objektgruppen können auf verschiedene Art dargestellt werden, die bevorzugte Darstellungsweise wird gemeinsam mit Titel und Beschreibung der Objektgruppe gespeichert. Objektgruppen selbst können zudem mit einem Klick sichtbar oder unsichtbar geschaltet werden. Auf diese Weise lassen sich Gruppen bilden, die vornehmlich der Objektverwaltung dienen (etwa eine "unsichtbare" Gruppe aller Objekte, die man an ein Portal exportiert). Die Zuordnung von Objekten zu einer "unsichtbaren" Objektgruppe wird nicht öffentlich angezeigt.

Schlagworte

Beliebig viele Schlagworte können den einzelnen Objekten zugeordnet werden. Schlagworte verbessern die Suchresultate. Steht in einer Objektbeschreibung etwa, dass es sich bei diesem Objekt "nicht um einen Helm" handelt so würde eine einfache Suche nach der Buchstabenfolge "helm" das Objekt finden. Durch Schlagworte werden automatisch Übersichtsseiten generiert ("Alle Objekte zum Schlagwort 'Helm'"), die das Ranking bei Suchmaschinen verbessern. Schlagworte sollten immer nur in der Sprache der jeweiligen Version von museum-digital verwendet werden (Übersetzungen nimmt die Normdatenredaktion vor), sie sollten im Singular sein und es sollte sich um Allgemeinbegriffe (Nomen) handeln. Personen und Körperschaften ("Akteure"), Orte und Zeiten werden nicht als Schlagworte behandelt, sie sollten wenn möglich über Ereignisse (s.o.) oder - bei einer allgemeinen Beziehung zum Objekt - als Bezüge (s.o.) behandelt werden. Mehr zum Umgang mit Schlagworten findet sich hier.

Zuletzt bearbeitet: 2017-08-24